2014 | 05 | 07

Kapuzen auf!

Auf der MEDIA CONVENTION Berlin 2014 diskutierten Jochen Wegner (Zeit Online), Katharina Borchert (Spiegel Online) und Anita Zielina (stern.de) in der Session: „Kapuzen auf! Über "Über Hoodie- Journalismus, Blätterrauschen und andere Neuheiten im Pixelwald“ darüber, wie der Graben zwischen Print- und Online Journalismus überwunden werden kann.

Ein wechselseitiges „Praktikumsangebot“ - dass Onliner in Printredaktionen gehen und andersrum - soll bei SPON helfen Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Katharina Borchert ist es leid: „Wir haben die letzten neun Jahre damit verbracht, dieses Thema zu diskutieren. Während sich die Welt draußen, mit der man mithalten muss, weiter dreht, und immer neue Innovationsthemen auf den Tisch kommen, bleibt es doch nur bei gegenseitiger Nabelschau.“

Beim Stern wird probiert dieses Problem strukturell zu lösen: Es gibt gemeinsame Print- und Online Chefredakteure. "Damit probieren wir Genervtheiten aus dem Weg zu gehen und vorhandene Ängste abzubauen", sagt Anita Zielina. Denn meistens sei es nicht Arroganz sondern Angst, welche die Debatte anfacht. "Schließlich geht es um die Zukunft von Jobs."

Onliner seien für viele das Gesicht des Netzes und Schuld an Facebook, Twitter und Buzzfeed, sagt Jochen Wegner von ZEIT Online.  "Die Print-Journalisten haben Angst davor, wohin sich die Medienwelt hinbewegt. Ständige Veränderung und eine höhere Reichweite sind für viele Printkollegen einschüchternd."

"Wir müssen weg von der ‚Was nichts kostet, ist nichts wert‘-Attitüde“, sagt Katharina Borchert. Das Geschäftsmodell 'paid content' werde weitläufig diskutiert und teilweise umgesetzt. Für die Entwicklung von alternativen Modellen müsse herumprobiert und experimentiert werden dürfen. "Jedoch wird momentan viel zu viel im stillen Kämmerlein herumgesessen, an komplexen Strategien gebaut und Stellschrauben gedreht, anstatt einfach mal auszuprobieren", so Katharina Borchert. „Experimentieren wir genug? Kopieren wir nicht nur? Und das dann zu spät, zu langsam, zu schlecht?“ Den wenigen Experimentierfreudigen muss auch Raum für ihre Ideen geschaffen werden. Es fehle an Handlungsfähigkeit.

Auch Jochen Wegner unterstellt Trägheit und zu wenig Radikalität in Bezug auf die Experimentierfreudigkeit. "Journalisten sind nicht innovativ genug und haben zu wenige Ideen." Ein Vorbild könnte die New York Times sein. Sie ist bis an die Schmerzgrenze gegangen, um sich selbst zu finden und neu aufzustellen und waren am Ende damit sehr erfolgreich. Und das ist auch notwendig, denn: „Journalismus wird nicht nur auf eine Art gelesen, sondern über viele unterschiedliche Kanäle und es werden bald immer mehr Player mitspielen“, so Anita Zielina.